Stellungnahme: Antiisraelische Demos in Deutschland

Kommentar von Tobias Peterka:

Ich bin bestürzt über das, was man getrost als antisemitische Aufmärsche in fast allen größeren Städten Deutschlands bezeichnen kann. Während die offiziöse Meinung in diesem Land ansonsten bei jedem (vermeintlichen) Quäntchen gruppenbezogenen Hasses sofort Alarm schlägt, passierte dieses Mal tagelang nichts. Kein Wunder, man war beschäftigt: ARD und ZDF aber auch die Privaten leiteten ihre Berichte über den Gaza-Konflikt geradezu genüsslich mit den Taten der israelischen „Offensive“ ein, spulten Opferzahlen ab, zeigten Bilder aus Krankenhäusern. Soweit formell richtig, aber selten bis nie wurde erwähnt, dass z.B. in den Krankenhäusern alles von Waffen bis zu kompletten Kommandozentralen zu finden war. Dass vorher zu Räumungen aufgerufen wurde, dass der Raketenbeschuss aus Tunneln und von Häusern gen Israel weiter anhält. Diese Informationen kamen höchstens schnell noch als Abmoderation und zum Teil unter sichtlichem Widerwillen des Sprechers. Viel zu spät für die unterschwellige Botschaft, die auf den Straßen dann auch folgendermaßen zu Ende artikuliert wurde: „Kindermörder Israel!“ Erst nachdem hasserfüllte Demonstrationen kaum kontrolliert durch Innenstädte gezogen waren, Lautsprecherwagen der Polizei benutzt werden durften und Räumkommandos nur kurz vor Synagogen gestoppt werden konnten, gab es zaudernde Statements unserer Bundeskanzlerin und unseres Bundespräsidenten. In Nürnberg wurde derweil der ganze Bahnhof mit zwei Schnellrestaurants besetzt, da diese angeblich jüdische Inhaber hatten. Geschichte wiederholt sich, nur das Personal ist dieses Mal etwas anders. Während bei einem großen Teil der beteiligten sog. „Bio-Deutschen“ ein romantischer Reflex des David-Gegen-Goliath-Denkens zu finden ist, muss man den dominanten Rest deutlich benennen: Sympathisanten der „palästinensischen Sache“ mit arabischem oder türkischem, jedenfalls muslimischem Hintergrund. Deren Wunsch nach Konfrontation mit Israel bricht sich als purer Antisemitismus frei von jeder europäischen Kultur der Reflexion Bahn. Man muss kein Freund Israels sein. Dazu ist niemand persönlich verpflichtet. Aber man muss diesen gruppenbezogenen Hass einer vor Ort klar beschreibbaren anderen Gruppe sofort und jederzeit verurteilen. Eine Synagogengemeinde in Berlin hat nichts mit der Nation Israel zu tun. Israel ist von Staaten umgeben, in denen zumindest die Bevölkerung und meistens auch die Regierungen sein Verschwinden herbeisehnen. Der jüdischen Nation dort deshalb das Recht auf Sicherheit durch Selbstverteidigung abzusprechen ist kurzsichtig und naiv. Hass gegen Juden in Europa zu tolerieren oder zu begrüßen ist dagegen Antisemitismus.

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